Connect with us

E-Auto

IAA in Hannover: Warum die E-Lkw-Hersteller jetzt Alarm schlagen

Auf der Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation stehen die Elektro-Lkw bereit. Doch die Branche ist sauer auf die Politik. Der Grund liegt an der Autobahn.

Elektro-Lkw an einer Ladesäule auf einem Autobahnrastplatz
Symbolbild (KI-generiert)

Von ·

Auf der IAA Transportation in Hannover zeigen die Hersteller in dieser Woche ihre neuesten Elektro- und Wasserstoff-Lkw. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch statt Aufbruchstimmung herrscht Frust. Die Branche wirft der Politik vor, eine entscheidende Voraussetzung für die Verkehrswende zu verschleppen.

Was ist auf der Messe los?

Die Nutzfahrzeugmesse läuft vom 15. bis 20. September. 1.589 Aussteller aus 46 Ländern sind dabei, ein Drittel davon zum ersten Mal. Gezeigt werden mehr als 150 Weltpremieren. Auffällig stark vertreten sind Aussteller aus China.

Die Botschaft der Hersteller ist klar: Die Fahrzeuge für einen klimaneutralen Güterverkehr sind fertig und einsatzbereit. Das betonte auch die Präsidentin des Autoindustrieverbands VDA, Hildegard Müller.

Die Messe steht unter dem Motto We Deliver. Für Probefahrten stehen 84 Fahrzeuge bereit, rund 40 Prozent mehr als bei der Ausgabe 2024. Viele Modelle fahren elektrisch oder mit Wasserstoff. Was fehlt, zeigt sich allerdings nicht in den Messehallen, sondern draußen an den Autobahnen.

Der Kunde will – und zögert trotzdem

Doch dann kommt das große Aber. Daimler-Truck-Chefin Karin Rådström zeigte sich besonders frustriert über das Tempo. Nach ihren Worten wären die Kunden bereit, E-Lkw zu kaufen. Sie zögern aber, weil sie nicht sicher sein können, überall laden zu können.

Die Zahlen zeigen das Problem. In der EU sind derzeit weniger als fünf Prozent der neu zugelassenen Lkw emissionsfrei. Um die Klimavorgaben zu erreichen, müsste es etwa ein Drittel sein. Schaffen die Hersteller die geforderte CO2-Senkung bis 2030 nicht, drohen ihnen Strafzahlungen.

Der Streit um die Strafen

Genau hier liegt der Zündstoff. Der VDA fordert einen Infrastruktur-Turbo mit mehr Ladepunkten, Wasserstoff-Tankstellen und passenden Stromnetzen. Außerdem sollen die EU-Flottenregeln für schwere Nutzfahrzeuge früher überprüft werden. Strafzahlungen für Versäumnisse beim Ausbau, auf den die Industrie keinen Einfluss hat, lehnt der Verband ab.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies warnte vor einem härter werdenden internationalen Wettbewerb. Hinzu kommt Skepsis: Ähnliche Ankündigungen zum Ladenetz gab es nach ZDF-Angaben schon vor zwei Jahren, umgesetzt wurde seither wenig.

Was die Regierung jetzt verspricht

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) verweist auf den Aufbau eines Schnellladenetzes für E-Lkw entlang der Autobahnen. An 124 unbewirtschafteten Rastanlagen sei man in der konkreten Umsetzung. Für Wasserstoff sollen mindestens 35 Tankstellen und rund 500 Fahrzeuge gefördert werden. In Deutschland sind laut Ministerium bereits mehr als 14.000 mittelschwere und schwere E-Lkw unterwegs.

  • Messe-Termin: Die IAA Transportation läuft noch bis Sonntag, 20. September, in Hannover.
  • Knackpunkt Laden: Ohne verlässliche Ladepunkte an Autobahnen zögern Speditionen beim Kauf.
  • Rastplätze im Wandel: An 124 unbewirtschafteten Rastanlagen sollen Schnelllader für Lkw entstehen.
  • Klimaziel 2030: Verfehlen die Hersteller die CO2-Vorgaben, drohen Strafzahlungen in der EU.
  • Wasserstoff als Ergänzung: Die Branche setzt zusätzlich auf Brennstoffzellen-Lkw.

Ob die Rastplätze tatsächlich schneller mit Ladesäulen ausgestattet werden, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Der VDA will zudem erreichen, dass Brüssel die CO2-Regeln für Lkw vorzeitig auf den Prüfstand stellt.

Quellen