Bank & Sparen
Girokonto für 238 Euro im Jahr: So entkommen Sie teuren Gebühren
Bei vielen Filialbanken kostet das Girokonto inzwischen richtig Geld. Warum das so ist, wer kaum etwas verlangt – und wie der Wechsel ohne Chaos gelingt.

Von D247 Redaktion ·
Miete, Strom, Handy, Streaming – ohne Girokonto läuft im Alltag nichts. Doch genau dieses Konto ist bei vielen traditionellen Banken längst nicht mehr gratis. Ein Blick in aktuelle Preisverzeichnisse zeigt: Mehrere hundert Euro im Jahr sind möglich. Dabei lassen sich die Kosten oft vermeiden – wenn man weiß, wie.
Wie teuer kann ein Girokonto werden?
Die Spanne ist groß. Bei der Volksbank Köln Bonn kostet das Komfort-Konto für Kunden ab 27 Jahren samt Debitkarte 120 Euro im Jahr. Überweisungen in der Filiale kommen extra dazu. Bei der Commerzbank liegen die Kontomodelle zwischen 58,80 und 154,80 Euro jährlich.
Noch teurer wird es bei der Dortmunder Sparkasse. Eines ihrer Kontomodelle schlägt für Kunden ab 27 Jahren mit 238,80 Euro pro Jahr zu Buche. Über zehn Jahre summiert sich das auf fast 2.400 Euro.
Warum verlangen Banken plötzlich so viel?
Der Bankexperte Martin Faust von der Frankfurt School of Finance and Management verweist auf die Zeit der Niedrig- und Negativzinsen. Damals konnten Banken mit dem Geld auf Girokonten nichts verdienen oder machten sogar Verluste. Als Reaktion hätten viele Institute die Gebühren deutlich angehoben.
Die Kunden reagieren. Laut einer Bitkom-Studie hatten 2024 bereits 58 Prozent der Deutschen ihr Hauptkonto mindestens einmal gewechselt. 2022 waren es 51 Prozent, 2018 erst 35 Prozent. Mehr als 40 Prozent der Bankkunden gingen 2024 nie in eine Filiale und erledigten alles online.
Ist das Gratiskonto wirklich gratis?
Digitalbanken ohne Filialnetz wie C24 oder Neobroker mit Banklizenz wie Trade Republic verlangen keine Kontoführungsgebühr. Ihre Kosten sind niedriger. Doch Faust gibt zu bedenken, dass jede Bank viel über ihre Kunden erfährt. Wer oft im Minus ist, bekommt womöglich einen Kredit angeboten, wer Guthaben hat, Wertpapiere. Viele Kunden bleiben zudem bei der Filialbank, weil sie sich den persönlichen Service für den Notfall offenhalten wollen.
Die Auflösung für Wechselwillige: Sie müssen den Umzug nicht allein stemmen. Das Zahlungskontengesetz verpflichtet Banken zur Kontowechselhilfe. Sie eröffnen das neue Konto und erteilen der neuen Bank eine Ermächtigung. Die alte Bank hat dann fünf Geschäftstage Zeit, alle Zahlungen und Lastschriften der vergangenen 13 Monate zu übermitteln. Die neue Bank richtet innerhalb weiterer fünf Geschäftstage etwa die Daueraufträge ein. Entsteht durch fehlerhafte Datenübertragung ein Schaden, etwa eine Mahnung, haften die Banken.
Das sollten Sie jetzt wissen
- Schauen Sie ins Preisverzeichnis Ihrer Bank und rechnen Sie die Jahreskosten aus.
- Achten Sie beim neuen Konto auf versteckte Gebühren: Kartenkosten, Überweisungen oder einen monatlichen Mindestgeldeingang.
- Prüfen Sie, wo Sie kostenlos Bargeld abheben und einzahlen können.
- Nutzen Sie die gesetzliche Kontowechselhilfe der neuen Bank.
- Lassen Sie laut Verbraucherzentrale beide Konten für kurze Zeit parallel laufen, falls Buchungen per Post länger brauchen.
Vergleichsportale wie der Girokontovergleich von Finanztip helfen bei der Auswahl. Wer jetzt prüft, kann den Wechsel noch vor dem Jahreswechsel abschließen.
Quellen
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