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Steuern

Mehrwertsteuer-Senkung im Restaurant: So wenig kommt bei Gästen an

Seit Januar gilt für Speisen im Restaurant der ermäßigte Steuersatz. Eine neue Auswertung von über 180.000 Preisen zeigt, was davon auf der Rechnung landet.

Teller mit Schnitzel und eine Rechnung auf einem Restauranttisch
Symbolbild (KI-generiert)

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Seit dem 1. Januar zahlen Restaurants für Speisen nur noch sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer. Viele Gäste hofften auf niedrigere Preise beim Essengehen. Eine neue Studie im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zieht jetzt Bilanz – und das Ergebnis dürfte manchen Restaurantbesucher ernüchtern.

Wie groß ist die Steuersenkung eigentlich?

Die Senkung für Speisen in der Gastronomie kostet den Staat Milliarden. Sie sollte eine Branche stärken, die mit hohen Kosten kämpft. Für Getränke gilt weiterhin der volle Steuersatz. Gleichzeitig stieg zum Jahresbeginn der gesetzliche Mindestlohn, und die Lieferanten erhöhen laufend ihre Preise.

Hinzu kommt die allgemeine Teuerung. Die Inflationsrate lag im August bei 2,9 Prozent. Der Iran-Krieg treibt vor allem die Energiepreise nach oben.

Was hat die Gewerkschaft untersucht?

Die NGG ließ das Beratungsunternehmen wmp consult bundesweit mehr als 180.000 Preise von Gerichten auswerten. Die Daten stammen aus mehr als 12.000 Restaurants. Verglichen wurde, wie sich die Preise seit der Steuersenkung entwickelt haben.

Doch es gibt auch Gegenbeispiele. Ein Grill-Imbiss in Berlin-Mitte etwa senkte den Preis für sein halbes Hähnchen nach eigenen Angaben von 8,90 auf 5,90 Euro und warb damit offensiv. Nach den Zahlen der Studie ist so etwas allerdings selten.

Wer hat recht – Gewerkschaft oder Wirte?

Im Schnitt ist laut Studie nur etwa ein Prozent der Gerichte günstiger geworden. 91 Prozent kosten so viel wie vorher. Bei rund acht Prozent sind die Preise sogar gestiegen, vor allem bei Bowls, Schnitzel und Steaks.

NGG-Chef Guido Zeitler kritisiert, dass auch die mehr als zwei Millionen Beschäftigten nichts von der Entlastung hätten. Jeder Zweite arbeite unterhalb der Niedriglohnschwelle. In einer Befragung von gut 2.100 Beschäftigten gab fast die Hälfte an, bis zu zehn Stunden täglich zu arbeiten, ein Fünftel sogar zehn bis 14 Stunden. 71 Prozent denken demnach über einen Wechsel in eine andere Branche nach.

Der Branchenverband DEHOGA widerspricht. Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke betont, die Senkung sei nie als Preissenkungsprogramm gedacht gewesen. Laut einer Verbandsumfrage unter 2.000 Betrieben vom Juli konnten 73,4 Prozent ihre Preise trotz gestiegener Kosten stabil halten. 72,2 Prozent hätten gestiegene Personalkosten auffangen können, 53,1 Prozent Arbeitsplätze gesichert. Bei knapp 30 Prozent seien nötige Preiserhöhungen deutlich kleiner ausgefallen. Der Verband wirbt zudem für eine wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit nach EU-Vorgaben, um Arbeitszeiten flexibler zu verteilen.

Das bedeutet das für Sie

  • Mit spürbar billigeren Gerichten sollten Sie im Restaurant nicht rechnen – die meisten Preise sind unverändert.
  • Getränke werden weiterhin mit 19 Prozent besteuert und sind von der Senkung ausgenommen.
  • Vergleichen lohnt sich: Einzelne Betriebe geben die Steuersenkung gezielt bei beliebten Gerichten weiter.
  • Stabile Preise können trotzdem eine Entlastung sein, weil Löhne und Einkaufspreise gestiegen sind.
  • Ein Blick auf die Karte vor dem Besuch hilft: Viele Restaurants veröffentlichen ihre aktuellen Preise online.

Zwischen NGG und DEHOGA laufen derzeit Tarifverhandlungen. Dort dürfte sich entscheiden, ob von der Steuersenkung zumindest bei den Beschäftigten mehr ankommt.

Quellen