Steuern
Nur Bargeld im Lokal: So viele Milliarden gehen dem Staat verloren
Cash only im Restaurant ist bequem für manche Wirte – und ein Einfallstor für Steuerbetrug. Wie groß der Schaden ist und was Gäste tun können.

Von D247 Redaktion ·
Nur Barzahlung möglich: Dieses Schild kennen viele Gäste aus Kneipen, Imbissen und Restaurants. Für den Staat ist das ein Milliardenproblem. Denn Bargeld hinterlässt kaum Spuren, und manche Kasse lässt sich mit wenigen Klicks austricksen. Wie groß der Schaden ist und wie selten kontrolliert wird, zeigt ein Bericht von ZDFheute.
Wie funktioniert der Betrug an der Kasse?
Das Prinzip ist simpel. Wer Umsätze in bar kassiert und nicht verbucht, zahlt darauf auch keine Steuern. Eigentlich sollen technische Sicherheitseinrichtungen, kurz TSE, das verhindern. Sie speichern jede Buchung manipulationssicher, entweder auf einem USB-Stick oder in der Cloud.
Doch nach dem Bericht lässt sich die TSE in der Praxis mit einem Klick abschalten oder durch das Abziehen des USB-Sticks umgehen. Die Technik ist seit rund acht Jahren verfügbar und kostet nur wenige Hundert Euro. Eine elektronische Kassenpflicht kommt trotzdem erst ab 2028, und auch dann nur für Betriebe ab 100.000 Euro Jahresumsatz.
Wie groß ist der Schaden wirklich?
Die Deutsche Steuergewerkschaft schätzt die jährlichen Steuerausfälle in bargeldintensiven Branchen auf 15 bis 20 Milliarden Euro. Dem stehen erstaunlich wenige Kontrollen gegenüber. Im Jahr 2024 wurden nur 0,22 Prozent aller Betriebe überprüft. Angepeilt waren 2,4 Prozent.
Zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede. Sachsen-Anhalt fuhr seine Kontrollen im Jahr 2025 um 13 Prozent zurück. Thüringen dagegen steigerte sie um 298 Prozent. Als Hauptgrund für die geringe Prüfquote gilt fehlendes Personal in den Finanzämtern. Hinzu kommt, dass der Umstieg auf gesicherte elektronische Kassen nur schleppend vorankommt.
Warum trifft das am Ende alle Steuerzahler?
Was Betrüger an der Kasse sparen, fehlt in den öffentlichen Haushalten. Ehrliche Wirte geraten zudem ins Hintertreffen, weil sie ihre Umsätze vollständig versteuern und dadurch höhere Kosten haben. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat angekündigt, Steuerhinterziehung stärker bekämpfen zu wollen.
Was fordern die Steuer-Experten jetzt?
Der Vorsitzende der Steuergewerkschaft, Florian Köbler, setzt auf drei Hebel: Gäste sollen überall mit Karte zahlen können, Cash only soll also verschwinden. Die Finanzämter sollen mehr Personal für Kassenprüfungen bekommen. Und die elektronischen Kassensysteme sollen schneller verpflichtend werden als bisher geplant.
Das können Sie als Gast tun
- Fragen Sie nach einem Beleg. Seit der Belegausgabepflicht muss Ihnen der Betrieb einen Kassenbon anbieten.
- Zahlen Sie, wo möglich, mit Karte oder Smartphone. Digitale Zahlungen hinterlassen Spuren.
- Für Geschäftsessen brauchen Sie ohnehin einen ordnungsgemäßen Bewirtungsbeleg, sonst erkennt das Finanzamt die Kosten nicht an.
- Achten Sie darauf, ob der Bon einen TSE-Hinweis mit Signatur enthält. Fehlt er, ist das ein Hinweis auf eine nicht gesicherte Kasse.
Ob die Kassenpflicht früher kommt, entscheidet die Politik. Bis dahin hängt viel davon ab, wie viele Prüfer die Länder in die Betriebe schicken.
Quellen
ADAC Finanzdienste startet Tagesgeldkonto: 3,5 Prozent für drei Monate
ADAC-Kindersitztest: Zwei Modelle fallen wegen Gurtschloss-Mangel durch
WhatsApp-Benutzername: Verbraucherzentrale warnt vor Betrugsrisiko
Bankgebühren zurückfordern: Diese Frist endet am 31. Dezember 2026
Heizkosten 2026: Heizöl wird 24 Prozent teurer, Gas sinkt
Steuervorauszahlung: Diese Frist gilt am 10. Dezember 2026
Fans in großer Sorge um Sarah Connor: „Brauchen dich lebend“
Polar-Kälte stürzt auf Deutschland: Wo Schnee fällt, wo es glatt wird – Jetzt kommt die Winterpeitsche!
EU-Gericht setzt klare Grenzen: Alkoholfreier „Gin“ darf nicht einfach „Gin“ heißen
Koalition am Scheideweg: Karin Prien fordert Verschiebung der Abstimmung im Rentenstreit
Europäische Staaten lehnen US-Friedensplan ab: Sorge vor politischen und wirtschaftlichen Folgen