Arbeitsmarkt
Teilzeitquote auf Rekordhoch: Warum immer weniger Menschen Vollzeit arbeiten
Erstmals arbeiten mehr als 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland in Teilzeit. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sieht dahinter vor allem einen Strukturwandel in der Wirtschaft.

Von D247 Redaktion ·
Erstmals arbeiten mehr als 40 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland in Teilzeit. Im zweiten Quartal 2026 lag die Quote laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei 40,3 Prozent – ein neuer Höchstwert. Gleichzeitig ging die Zahl der Vollzeitstellen zurück.
Wie groß ist der Anstieg?
Nach IAB-Angaben waren im zweiten Quartal 2026 rund 16,94 Millionen Menschen in Teilzeit beschäftigt. Im Vergleich zum selben Quartal des Vorjahres stieg die Quote um 0,4 Prozentpunkte. Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten sank im selben Zeitraum um 0,9 Prozent. Insgesamt waren knapp 45,7 Millionen Menschen erwerbstätig, 0,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen in Deutschland liegt laut Statistischem Bundesamt bei 33,9 Stunden und damit spürbar unter dem EU-Durchschnitt von 35,9 Stunden. Seit 1991 ist die tarifliche Wochenarbeitszeit um 4,2 Stunden gesunken.
Wer arbeitet besonders häufig in Teilzeit?
Nach Zahlen für das Jahr 2025 arbeitet jede zweite Frau, aber nur jeder siebte Mann in Teilzeit. Besonders hoch ist die Quote im Schulwesen: Dort arbeiten 43,9 Prozent der Lehrkräfte nicht in Vollzeit.
Das IAB begründet die Entwicklung vor allem mit einem Strukturwandel am Arbeitsmarkt: Branchen mit traditionell hohem Vollzeitanteil wie die Industrie und die Autobranche bauen Stellen ab, während Bereiche mit hohem Teilzeitanteil wie Pflege, Gesundheit, Soziales und Bildung wachsen. Der Anstieg ist damit nach Einschätzung der Arbeitsmarktforscher weniger eine Frage individueller Vorlieben als eine Folge davon, in welchen Branchen überhaupt noch neue Stellen entstehen.
Was bedeutet das für Beschäftigte und Arbeitgeber?
- Wer in einer wachsenden Branche wie Pflege, Kita oder Handwerk einen Vollzeitjob sucht, trifft oft auf ein Teilzeit-geprägtes Arbeitsumfeld mit eigenen Herausforderungen bei der Personalplanung.
- Pflegeheime, Kitas und Handwerksbetriebe berichten weiterhin von Fachkräftemangel, obwohl die Teilzeitquote in diesen Bereichen besonders hoch ist.
- Ökonomen warnen, dass ein sinkendes Arbeitsvolumen bei gleichzeitig alternder Bevölkerung zu einem strukturellen Wachstumsproblem werden kann, wenn die Produktivität nicht steigt.
Was passiert als Nächstes?
Die Bundesregierung diskutiert verschiedene Ansätze, um Vollzeitarbeit steuerlich attraktiver zu machen, etwa über Anpassungen beim Ehegattensplitting oder bei den Minijob-Regeln. Konkrete Gesetzentwürfe liegen bisher nicht vor. Das IAB will die Entwicklung der Teilzeitquote weiter beobachten und im kommenden Quartalsbericht aktualisierte Zahlen vorlegen.
Weitere Hintergründe zum Arbeitsmarkt liefern auch die aktuelle Arbeitsmarktstatistik für September, die Diskussion um den Mindestlohn 2027 sowie Berichte zum anhaltenden Fachkräftemangel.
Quellen
Hinweis: Dieser Artikel wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz recherchiert und redaktionell aufbereitet.
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