Arbeitsmarkt
VW kündigt Tarifverträge: Was der Schritt für 130.000 Beschäftigte bedeutet
Volkswagen hat zehn von dreizehn Haustarifverträgen gekündigt. Betroffen sind rund 130.000 Beschäftigte – IG Metall spricht von einem Erpressungsversuch.

Von D247 Redaktion ·
Volkswagen hat nach Angaben der IG Metall zehn von dreizehn Haustarifverträgen gekündigt – praktisch die gesamte Tarifpalette des Konzerns. Betroffen sind rund 130.000 Beschäftigte der Volkswagen AG in Deutschland, deutlich mehr als die rund 40.000 Mitarbeiter an den vier zuletzt diskutierten Werksstandorten.
Welche Verträge sind gekündigt?
Gekündigt wurden unter anderem der Entgelttarifvertrag, der Manteltarifvertrag sowie der Ausbildungstarifvertrag und der Rahmentarifvertrag für Beschäftigte mit Spezialisten- oder Führungsfunktionen. Der Manteltarifvertrag regelt unter anderem Arbeitszeit, Urlaub, freie Tage, Sonderzahlungen und die Eingruppierung in Gehaltsgruppen – also welche Tätigkeit wie bezahlt wird. Er enthält laut IG Metall zudem Schutzrechte für ältere Beschäftigte und Mitarbeiter, die ihre bisherige Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können.
Beim gekündigten Ausbildungstarifvertrag geht es um die Übernahme von Auszubildenden und dual Studierenden. Was Volkswagen hier konkret ändern will, ist noch offen.
Wer ist betroffen und ab wann gilt das?
Der Haustarif gilt für rund 130.000 Beschäftigte der Marken Volkswagen Pkw und Nutzfahrzeuge, die Komponentensparte und zentrale Konzernbereiche. Nicht betroffen sind VW-Töchter wie Audi oder Porsche.
Die Verträge sind fristgerecht zum 31. Dezember 2026 gekündigt, die Kündigungen könnten damit zum 1. Januar 2027 wirksam werden. Die IG Metall weist allerdings darauf hin, dass eine Kündigung nicht automatisch bedeutet, dass alle Regelungen sofort wegfallen – zum Teil gilt eine Nachwirkung, bis neue Vereinbarungen stehen.
Was bedeutet das konkret für die Beschäftigten?
- Die bestehende Beschäftigungssicherung ist von den Kündigungen nicht betroffen: Sie läuft bis Ende 2030 und schließt betriebsbedingte Kündigungen bis dahin weiter aus.
- Trotzdem fallen Stellen weg: 2024 war bereits ein sozialverträglicher Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 vereinbart worden, etwa über Altersteilzeit und Abfindungen.
- Die konkreten Einschnitte bei Entgelt, Arbeitszeit und Zulagen hängen von den nun anstehenden Neuverhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ab.
- Bei anderen Autobauern wird bereits über eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich diskutiert. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa sieht auch das VW-Management darin eine Möglichkeit, Kosten zu senken – eine konkrete Forderung gibt es dazu aber noch nicht. Für VW-Beschäftigte in Deutschland gilt bislang eine 35-Stunden-Woche.
Wie begründet VW den Schritt – und wie reagiert die Belegschaft?
Volkswagen begründet die Kündigung mit dem aktuellen Kostendruck. Der Personalvorstand der Marke Volkswagen, Arne Meiswinkel, sagte, das wirtschaftliche Umfeld habe sich für die Autoindustrie gravierend verschärft, die Marktveränderungen seien „strukturell und tiefgreifend“ – unter anderem drängten chinesische Hersteller mit günstigen Exporten nach Europa. Mit der Kündigung solle ein Verhandlungsraum geöffnet werden, um alle Möglichkeiten eines sozialverträglichen Personalabbaus auszuschöpfen.
VW-Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo wirft dem Management dagegen einen Erpressungsversuch vor: Erst würden Werke mit dem Aus bedroht, um dann die nächsten Tarifeinschnitte durchsetzen zu können. Sie rechnet mit einer „heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel“. Niedersachsens IG-Metall-Chef Thorsten Gröger erklärte, VW wolle die wirtschaftlichen Herausforderungen des Konzerns auf die Belegschaft abladen: „Während Gewinne privatisiert werden, sollen unternehmerische Kosten und Risiken nun auf die Belegschaft verlagert werden. Das werden wir nicht hinnehmen.“
Was passiert als Nächstes?
Arbeitgeber und IG Metall müssen die gekündigten Tarifverträge nun neu verhandeln. Wie weit die Einschnitte am Ende gehen, entscheidet sich erst in diesen Verhandlungen, die sich bis zum Jahreswechsel hinziehen dürften. Sie laufen parallel zum bereits laufenden Streit um die mögliche Schließung von vier deutschen VW-Werken.
Quellen
Hinweis: Dieser Artikel wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz recherchiert und redaktionell aufbereitet.
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