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Bilfinger streicht bis zu 1.500 Stellen: Das steckt hinter dem Sparkurs

Der Mannheimer Industriedienstleister Bilfinger kappt seine Prognose und startet ein Sparprogramm. Warum Kunden bremsen und wann die Einschnitte greifen sollen.

Industrieanlage mit Rohrleitungen und Gerüsten im Morgengrauen
Symbolbild (KI-generiert)

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Schlechte Nachrichten aus Mannheim: Der Industriedienstleister Bilfinger will bis zu 1.500 Stellen streichen. Gleichzeitig senkt der MDax-Konzern seine Prognose für 2026 deutlich. An der Börse sorgte das für einen heftigen Absturz. Der Grund für den Einbruch liegt weit weg von Deutschland.

Was hat Bilfinger angekündigt?

Am Mittwochabend teilte das Unternehmen mit, dass es ein Sparprogramm namens Agile aufsetzt. Betroffen sind bis zu 1.500 der rund 31.000 Arbeitsplätze weltweit. Wie viele Stellen in Deutschland wegfallen, ist bisher nicht bekannt.

Bilfinger plant, baut, wartet und modernisiert Industrieanlagen und Kraftwerke. Der Konzern mit Sitz in Mannheim ist im MDax notiert. Mit dem Programm will er Ressourcen bündeln, Kapazitäten anpassen und eine globale Shared-Services-Organisation aufbauen. Einige Schritte waren nach Unternehmensangaben ohnehin geplant, werden nun aber vorgezogen und mit den Sozialpartnern abgestimmt.

Warum geht es plötzlich so bergab?

Bilfinger macht den länger als erwartet andauernden Krieg im Nahen Osten verantwortlich. Die gestiegenen Energiepreise dämpfen die Investitionslust europäischer Industriekunden. Gerade im dritten Quartal, das normalerweise stark läuft, halten sich Kunden nach Unternehmensangaben bei neuen Aufträgen und Abrufen spürbar zurück.

Dabei hatte der Konzern noch für das zweite Halbjahr mehr Aufträge und eine höhere Auslastung erwartet. Das Gegenteil trat ein. Es fehlen vor allem technisch anspruchsvolle Projekte mit guter Marge. Genau diese Aufträge bringen einem Dienstleister wie Bilfinger das meiste Geld.

Wie tief ist der Einschnitt bei den Zahlen?

Beim Umsatz erwartet Bilfinger für 2026 nur noch 5,3 bis 5,7 Milliarden Euro. Zuvor waren 5,4 bis 5,9 Milliarden Euro angepeilt. Drastischer fällt die Korrektur bei der Rendite aus: Die EBITA-Marge soll nur noch 3,2 bis 3,6 Prozent erreichen statt 5,8 bis 6,2 Prozent. Bereinigt um Sondereffekte peilt der Konzern noch 4,6 bis 5,0 Prozent an. Die Aktie verlor am Donnerstagmorgen vorbörslich rund neun Prozent. Anleger reagierten damit auf die zweite Enttäuschung binnen weniger Wochen, denn noch im August hatte Bilfinger eine Marge von mindestens 5,8 Prozent in Aussicht gestellt.

Wann greifen die Einschnitte?

Das Sparprogramm kostet einmalig rund 75 Millionen Euro. Erste Effekte erwartet Bilfinger 2027. Ab 2028 sollen dann jährlich etwa 75 Millionen Euro eingespart werden. Das Programm hätte sich damit rechnerisch nach rund einem Jahr bezahlt gemacht.

Das bedeutet das für Beschäftigte

  • Noch ist offen, welche Standorte und Bereiche betroffen sind. Details sollen mit den Sozialpartnern abgestimmt werden.
  • Beschäftigte sollten sich bei Betriebsrat oder Gewerkschaft über den Stand der Verhandlungen informieren.
  • Wer ein Aufhebungsangebot erhält, sollte es vor der Unterschrift prüfen lassen. Eine vorschnelle Unterschrift kann eine Sperre beim Arbeitslosengeld auslösen.
  • Bei Kündigung gilt: Eine Kündigungsschutzklage muss innerhalb von drei Wochen eingereicht werden.

Wie viele Jobs in Deutschland wegfallen, dürfte sich erst in den Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern zeigen. Erste Ergebnisse des Programms will Bilfinger 2027 vorweisen.

Quellen