Unternehmen
Chemiewerk Leuna vor dem Aus: Steuerzahler verliert fast 80 Millionen Euro
Für das insolvente Chemiewerk Leuna Polyamid hat sich kein Investor gefunden. Rund 400 Beschäftigte verlieren ihren Job, das Land Sachsen-Anhalt muss fast 80 Millionen Euro Nothilfe abschreiben.

Von D247 Redaktion ·
Für das Chemiewerk Leuna Polyamid in Sachsen-Anhalt hat sich kein neuer Investor gefunden. Die Produktion sollte nur noch bis Ende September laufen, danach drohte die endgültige Stilllegung. Rund 400 Beschäftigte sind betroffen, das Land muss nach eigenen Angaben einen Großteil der knapp 80 Millionen Euro abschreiben, die es zuvor in den Notbetrieb gesteckt hatte.
Was ist passiert?
Die Leuna Polyamid GmbH, eine gemeinsame Auffanggesellschaft der Unternehmen InfraLeuna und Leuna-Harze, hatte den Betrieb am 1. April 2026 vom insolventen Konzern Domo Caproleuna übernommen und rund 436 der zuvor etwa 500 Beschäftigten weiterbeschäftigt. Schon gut zweieinhalb Monate später, Mitte Juni 2026, musste die Auffanggesellschaft selbst Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden. Als Gründe nennt die Geschäftsführung drastisch gestiegene Rohstoffpreise von 40 bis 100 Prozent infolge weltpolitischer Entwicklungen im Golf-Raum sowie strengere Vorauszahlungsforderungen von Lieferanten.
Geschäftsführer Martin Naundorf bestätigte, dass bislang kein verbindliches Angebot eines Investors vorliegt. Die Produktion sollte deshalb nur bis Ende September fortgeführt werden, anschließend ist ein 15 bis 20 Tage dauerndes kontrolliertes Herunterfahren der Anlagen nötig. Die formelle Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird für Anfang Oktober erwartet.
Was bedeutet das für Betroffene?
- Rund 400 Beschäftigte stehen vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes, eine Transfergesellschaft oder ein Sozialplan sind bislang nicht beschlossen.
- Das Land Sachsen-Anhalt hatte den Notbetrieb seit April mit rund 79,5 Millionen Euro Steuergeld finanziert, weil eine Chemieanlage dieser Art nicht abrupt und ohne Sicherheitsrisiko abgeschaltet werden kann.
- Energieminister Armin Willingmann (SPD) geht davon aus, dass dieses Geld größtenteils verloren ist. Bereits im Juni hatte er die Lage als „extrem bitter“ für alle Beteiligten bezeichnet.
- Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt gegen drei frühere Geschäftsführer der Vorgängergesellschaft wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung.
Was passiert als Nächstes?
Mit der für Anfang Oktober erwarteten formellen Insolvenzeröffnung übernimmt ein gerichtlich bestellter Verwalter die weitere Abwicklung. Ob sich doch noch ein Investor für Teile des Standorts findet, ist offen. Das Wirtschaftsministerium in Magdeburg kündigte an, sich weiter um Anschlusslösungen für die Beschäftigten zu bemühen und bei der sicheren Stilllegung der Anlagen zu unterstützen. Für die Region ist der Fall der zweite schwere Rückschlag für die Chemieindustrie am Standort Leuna innerhalb weniger Jahre.
Leuna reiht sich damit in eine Serie von Firmenpleiten und Werksschließungen der vergangenen Wochen ein: Auch bei der Warenhauskette Galeria, beim Online-Händler Zalando in Erfurt und bei BioNTech bangen Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze.
Quellen
Hinweis: Dieser Artikel wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz recherchiert und redaktionell aufbereitet.
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